Ihre Situation verstehen
Was Sie vorbereiten müssen
- ✓Detailliertes Stalking-Tagebuch mit Datum, Uhrzeit, Art und Inhalt jedes Vorfalls
- ✓Screenshots, Nachrichten, E-Mails, Chat-Verläufe, Aufnahmen (soweit zulässig)
- ✓Name und Kontaktdaten des Belästigers, soweit bekannt
- ✓Nachweise früherer Unterlassungsaufforderungen (mündlich oder schriftlich)
- ✓Polizeiliche Vorgänge, Strafanzeigen oder Aktenzeichen, falls vorhanden
- ✓Zeugenaussagen von Nachbarn, Kollegen oder Freunden
- ✓Ärztliche Atteste bei gesundheitlichen Folgen der Belästigung
⏰ Frist
Sobald ausreichend Vorfälle dokumentiert sind, versenden. Setzen Sie eine Frist von 7–10 Tagen zur schriftlichen Bestätigung der Unterlassung. Bei Fortsetzung der Belästigung: Strafantrag nach § 238 StGB, Antrag auf Schutzanordnung (GewSchG) und/oder Antrag auf einstweilige Verfügung beim Zivilgericht.
🏛️ Behörde
Polizei und Staatsanwaltschaft (Strafantrag nach § 238 StGB Nachstellung, § 241 StGB Bedrohung). Zivilgericht (Unterlassungsklage nach §§ 823, 1004 BGB). Familiengericht (Schutzanordnung nach GewSchG). Bei Arbeitsplatzbezug: Arbeitgeber, Betriebsrat, AGG-Beschwerdestelle.
⚖️ Rechtsgrundlage
§ 238 StGB (Nachstellung/Stalking), § 241 StGB (Bedrohung), §§ 823, 1004 BGB analog (Unterlassungsanspruch), Art. 1, 2 GG (allgemeines Persönlichkeitsrecht), Gewaltschutzgesetz (GewSchG) §§ 1–4 (Schutzanordnungen bei Gewalt und Nachstellung), § 4 GewSchG (Strafbarkeit bei Verstoß gegen Schutzanordnung).
Experten-Tipps
- 1Stalking (§ 238 StGB) ist ein Antragsdelikt — ohne Ihren Strafantrag wird die Staatsanwaltschaft in der Regel nicht tätig. Stellen Sie den Antrag bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft.
- 2Führen Sie ein Stalking-Tagebuch: Datum, Uhrzeit, Art des Kontakts, Inhalt, Zeugen. Gerichte erkennen solche Protokolle als starkes Beweismittel an.
- 3Nach dem GewSchG können Sie beim Familiengericht eine Schutzanordnung beantragen — Kontaktverbot, Näherungsverbot, Wohnungszuweisung. Ein Verstoß gegen die Anordnung ist nach § 4 GewSchG strafbar.
- 4Versenden Sie das Unterlassungsschreiben per Einschreiben mit Rückschein oder Einwurfeinschreiben, um den Zugang nachweisen zu können.
- 5Fordern Sie die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung — nur so wird die Wiederholungsgefahr im Rechtssinne ausgeräumt.
- 6Bei akuter körperlicher Gefahr oder glaubhaften Gewaltandrohungen: sofort Polizei (110) rufen. Ein Unterlassungsschreiben ist kein Ersatz für Notfallmaßnahmen.
- 7Bei Cyberstalking über Social-Media-Plattformen: Zusätzlich die Melde- und Blockierfunktionen der Plattformen nutzen und Screenshots sichern, bevor Inhalte gelöscht werden.
