Ihre Situation verstehen
Was Sie vorbereiten müssen
- ✓Die Entscheidung, die Sie erklärt haben möchten (Schreiben, E-Mail, Benachrichtigung oder Screenshot)
- ✓Name, Anschrift und DSB-Kontaktdaten der Organisation
- ✓Ihr Aktenzeichen, Kontonummer oder Antrags-ID bei der Organisation
- ✓Eine Beschreibung dessen, was Ihrer Meinung nach an der Entscheidung automatisiert war
- ✓Etwaige bisherige Korrespondenz mit der Organisation bezüglich der Entscheidung
- ✓Eine Liste konkreter Fragen, die Sie beantwortet haben möchten
⏰ Frist
DSGVO-Auskunftsersuchen müssen innerhalb eines Monats beantwortet werden (Art. 12(3)), verlängerbar auf drei Monate bei komplexen Anfragen. KI-Verordnung Art. 86 Recht-auf-Erklärung-Pflichten gelten ab Inkrafttreten der einschlägigen Bestimmungen (2. August 2026 für Hochrisiko-Systeme).
🏛️ Behörde
Schritt 1: Die Organisation selbst (Anfrage an den DSB oder Compliance-Beauftragten). Schritt 2: Nationale Datenschutzbehörde - BfDI (DE), Landes-DSB, UODO (PL), CNIL (FR), ICO (UK), AEPD (ES), Garante (IT). Schritt 3: Nationale KI-zuständige Behörden (sobald benannt) für KI-Verordnung-spezifische Rechte.
⚖️ Rechtsgrundlage
DSGVO Art. 15(1)(h): Recht auf aussagekräftige Informationen über die involvierte Logik automatisierter Entscheidungsfindung, deren Bedeutung und voraussichtliche Auswirkungen. DSGVO Art. 13(2)(f) und 14(2)(g): proaktive Transparenzpflichten. DSGVO Art. 22(3): Recht auf menschliches Eingreifen und Anfechtung automatisierter Entscheidungen. Ab 2. August 2026 nach geltendem Recht: EU-KI-Verordnung Art. 86 begründet ein Recht auf Erklärung für Betroffene von Hochrisiko-KI-Entscheidungen nach Anhang III (ohne Kategorie 2). Art. 26(11) wird Betreiber verpflichten, KI-gestützte Entscheidungen gegenüber Betroffenen zu erklären. Bereits durchsetzbar: Art. 85 erlaubt Beschwerden bei Marktüberwachungsbehörden über KI-Systeme.
Experten-Tipps
- 1Seien Sie konkret, was Sie wissen möchten. Fordern Sie: (a) welche personenbezogenen Daten als Eingabevariablen verwendet wurden, (b) wie die Daten gewichtet wurden, (c) welche Faktoren am einflussreichsten waren, (d) welches Ergebnis andere Eingabewerte ergeben hätten, und (e) ob eine menschliche Überprüfung stattgefunden hat.
- 2Zitieren Sie die genauen DSGVO-Artikel: 'Gemäß Art. 15 Abs. 1 lit. h DSGVO ersuche ich um aussagekräftige Informationen über die involvierte Logik der automatisierten Verarbeitung, deren Bedeutung und die für mich voraussichtlichen Auswirkungen.'
- 3Wenn die Organisation mit 'proprietäres Modell' als Verweigerungsgrund antwortet, widersprechen Sie. Das DSGVO-Recht auf aussagekräftige Informationen erlaubt keine pauschalen Verweigerungen unter Berufung auf Geschäftsgeheimnisse.
- 4Ab dem 2. August 2026 nach geltendem Recht wird KI-Verordnung Art. 86 ein ausdrückliches Recht auf Erklärung für Entscheidungen von Hochrisiko-KI-Systemen nach Anhang III (ohne Kategorie 2) begründen. Verweisen Sie auf diese Bestimmung bei Schreiben an Organisationen, die solche Systeme einsetzen.
- 5Setzen Sie eine klare Antwortfrist (z.B. 30 Tage gemäß Art. 12(3) DSGVO). Bei Nichtbeantwortung wird dies zum Beschwerdegrund bei der Datenschutzbehörde.
- 6Wenn die Erklärung Fehler oder Voreingenommenheit offenbart, nutzen Sie dies als Grundlage für eine Anfechtung nach DSGVO Art. 22(3) oder eine formelle Beschwerde.
